Mehr Zeit und Liebe für unsere Kinder – ein Appell

GFamilieute Erziehung besteht nur aus zwei Dingen: Beispiel und Liebe

Friedrich Fröbel

Unsere Kinder kommen hilflos zur Welt. Sie brauchen etwa ein Jahr um Laufen zu lernen und mindestens zwei Jahre, um sich über Sprache mit uns auszutauschen. Sie sind völlig abhängig von ihren Bezugspersonen – Eltern und Großeltern. Anders ist es bei den mit uns verwandten Säugetieren. Viele sind kurz nach der Geburt schon sehr selbständig. Sie können stehen oder laufen und sich in ihrer Umwelt zurechtfinden. Doch dieser scheinbare Vorteil ist ein Nachteil.

Die Säugetiere sind auf diese Leistung vorbereitet, indem ihre Gehirne in vorgegebenen Mustern bereits verschaltet sind, wenn sie auf die Welt kommen. So können sie sich zwar schnell entwickeln, sind aber wenig wandelbar. Nimmt man ein Tier aus seiner angestammten Umgebung, sind seine Überlebenschancen gering.

Beim Menschen hingegen kommen unsere Kinder mit einem unfertigen Gehirn auf die Welt. Es ist nicht von Beginn an festgelegt in seinen Verschaltungen, sondern entwickelt sich erst langsam durch seine Lebenserfahrungen. Das Gehirn eines Kindes hat schon genauso viele Zellen wie ein Erwachsenengehirn. Aber die Verschaltungen zwischen den Zellen sind noch nicht festgelegt. Unsere Kinder bilden durch die Anregung ihrer Sinnesorgane und ihre Erfahrungen mit ihrer Umwelt in den ersten beiden Lebensjahren bis zu 2 Millionen neuer Verbindungen – pro Minute!  Während der weiteren Entwicklung werden diese Verbindungen immer wieder überprüft und angepasst. Einige werden verstärkt, andere abgebaut. Immer in Abhängigkeit von den Einflüssen der Lebensumgebung und den Erfahrungen des Kindes.

Diese Strategie hat den großen Vorteil, dass sich unser Gehirn an unsere Umwelt anpassen kann. So erklärt sich auch, das nur das Säugetier Mensch es geschafft hat, alle Lebensräume unseres Planeten zu erobern.

Diese Strategie hat aber auch ein Risiko.

Wenn das heranwachsende Gehirn keine liebevolle und fürsorgliche Umgebung mit geeigneten, förderlichen Reizen findet, dann kann es sich nicht normal entwickeln.

In den 90er Jahren öffneten die Kinderheime des kommunistischeRumaenienKinderheimn Regimes in Rumänien ihre Türen und offenbarten katastrophale Zustände. Kinder wurden in Gitterbetten gehalten ohne jegliche körperliche oder emotionale Zuneigung. Ihre Sinne wurden in keiner Weise stimuliert und sie erhielten keinerlei Förderung. Sie wurden aus Personalmangel nur gefüttert und gesäubert, wie am Fließband. Der Intelligenzquotient dieser Kinder war weit unterdurchschnittlich und sie hatten keine verständliche Sprache entwickelt. Die Gehirne dieser Kinder waren unterentwickelt und zeigten im EEG eine deutlich verringerte Aktivität.

Viele dieser Kinder wurden in liebevolle Pflegefamilien und ein förderliches , fürsorgliches Umfeld vermittelt. Hier zeigte sich, dass besonders die Gehirne der kleinen Kinder diese Unterentwicklung aufholen konnten.

Unser Gehirn entwickelt sich dynamisch. Es reagiert äußerst sensibel auf seine Umwelt. Wer wir sind und wie wir uns entwickeln, hängt entscheidend davon ab wie wir aufwachsen. Eine anregende, förderliche Umgebung, liebevolle Eltern, die viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, sind entscheidend für die gesunde Entwicklung des kindlichen Gehirns und eines glücklichen Menschen.

Deshalb dieser Appell: Verbringen Sie bewusst viel Zeit mit ihrem Kind. Schalten Sie jeden Tag mal alles aus und lassen Sie sich ganz bewusst auf Ihr Kind ein. Unternehmen Sie etwas, schauen Sie ein Bilderbuch, basteln, spielen oder malen Sie, oder kochen Sie gemeinsam.

AmZeitundLiebe Gesicht Ihres Kindes werden Sie erkennen, dass es Sie dafür liebt !